
| Epilepsie: |
Was bedeutet das Wort Epilepsie
Das Wort Epilepsie ist vom Griechischen abgeleitet und bedeutet "plötzlich heftig ergriffen und überwältigt" zu werden. Im antiken Griechenland stellte man sich vor, dass die Epilepsie dem Menschen durch Götter oder Dämonen auferlegt würde. Man sprach deshalb von einer heiligen Krankheit. Epilepsie umgibt auch heute noch das Fluidum des Unerklärlichen und Unheimlichen, viele Ängste und Vorurteile ranken sich um diese Krankheit. Die Epilepsie ist eine Organkrankheit wie jede andere Krankheit des Körpers auch. Durch Aufklärung über die Eigenschaften und die vielfältigen Erscheinungsformen der Epilepsie sollte ein offener Umgang mit dieser Krankheit ermöglicht werden. Epileptische Anfälle und Epilepsie Es muß von vornherein zwischen den Begriffen epileptischer Anfall und Epilepsie unterschieden werden, denn damit ist keinesfalls das selbe gemeint. Beim epileptischen Anfall handelt es sich um ein einzelnes Geschehen, das sich plötzlich ereignet und meist nach Sekunden oder Minuten auch wieder aufhört. Erst wenn bei einem Menschen ohne ersichtlichen Grund mindestens zwei epileptische Anfälle aufgetreten sind, spricht man von Epilepsie. Was passiert beim epileptischen Anfall in unserem Gehirn? Beim Gesunden ist die Tätigkeit der Milliarden von Nervenzellen unseres Gehirns durch elektrische und chemische Signale genau aufeinander abgestimmt. Beim Epilepsiekranken ist dieses Gleichgewicht zeitweilig gestört. Plötzlich entladen sich viele Nervenzellen gleichzeitig. Diese nicht normalen Entladungen breiten sich im Gehirn aus und reizen in unnatürlicher Weise einzelne Gehirngebiete oder das ganze Gehirn. Den gereizten Gehirngebieten entsprechend ist die Erscheinungsform der epileptischen Anfälle ganz unterschiedlich ausgeprägt. Wenn bei einem Menschen nur ein einziger Krampfanfall durch eine einmalige, vorübergehende, rasch wieder verschwindende Störung des Gehirns ausgelöst wird, nennt man einen solchen Krampfanfall Gelegenheitsanfall. Diese vorübergehende Störung kann verschiedene Ursachen haben: z. B. massiven Blutzuckerabfall, Alkoholentzug, Vergiftungen, Sauerstoffmangel oder Schädigung des Gehirns durch eine Kopfverletzung oder eine Gehirnentzündung. Ein typisches Beispiel eines Gelegenheitsanfalles ist auch der gutartige Fieberkrampf, der bei kleinen Kindern durch Fieber ausgelöst wird. Bei der Epilepsie hingegen handelt es sich um eine lang anhaltende Veränderung des Gehirns, die sich in immer wieder auftretenden epileptischen Anfällen äußert. Eine Epilepsie kann lebenslang bestehen bleiben oder nach kürzerer oder längerer Zeit ausheilen. Viele im Kindesalter auftretende Epilepsien heilen im Laufe der Kindheit aus. Was verursacht die Epilepsien Zwei Faktoren tragen entscheidend zum Auftreten einer Epilepsie bei, wobei diese Faktoren einzeln wirksam sein können oder auch zusammenwirken:
Epilepsie ist keine Erbkrankheit im engeren Sinn, denn es werden nicht die epileptischen Anfälle an die Nachkommen vererbt, sondern nur die Neigung zu solchen Anfällen. Nur bei rund 5-10% der Kinder und Jugendlichen mit Epilepsien ist die Epilepsie ererbt worden. Finden sich in der Familie eines Menschen, der nichts außer einer Epilepsie hat, weitere Personen mit einer Epilepsie, so bezeichnet man eine solche Epilepsie als eine idiopathische Epilepsie. Die angeborene oder erworbene Hirnschädigung überwiegt als Ursache bei weitem, wobei es viele sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Hirnschädigung gibt, wir sprechen in diesen Fällen von symptomatischen Epilepsien. Weitaus am häufigsten handelt es sich um schädigende Einflüsse, welche das Gehirn während seiner Entwicklung getroffen haben, also bereits vor der Geburt, während der Geburt und in den ersten Lebensjahren. Bei Kindern spielen vor allem vorübergehender starker Sauerstoffmangel (z. B. bei der Geburt), Infektionen, Hirnfehlbildungen und Stoffwechselstörungen eine Rolle. Hirnverletzungen durch Unfälle, Infektionen, Hirntumoren und Durchblutungsstörungen können in jedem Lebensalter zu epileptischen Anfällen führen. Es ist wichtig zu wissen, dass in der überwiegenden Zahl der symptomatischen Epilepsien kein fortschreitendes Hirnleiden besteht, sondern dass die Narbe einer längst abgelaufenen Hirnschädigung für das Auftreten der Anfälle verantwortlich ist. Nach wie vor ist es auch heute noch so, dass es trotz aller zur Verfügung stehenden Untersuchungsmethoden nur bei etwa 50% aller Kinder und Jugendlichen mit Epilepsien gelingt, eine Ursache herauszufinden. Bei der anderen Hälfte ist die Ursache verborgen (kryptogen). |