
| Neurofeedback: |
In zahlreichen wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass bei Kindern und Jugendlichen mit AD(H)S die Bereiche
im Gehirn ("neuronalen Netzwerke"), die für die Verhaltenssteuerung und -kontrolle wichtig sind, im Vergleich zu gesunden
Kindern anders funktionieren. Dies führt u. a. dazu, dass die Kinder mit AD(H)S Schwierigkeiten haben, sich
über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren bzw. still sitzen zu können. Eine der Vergleichsstudien
konnte sogar belegen, daß Neurofeedback auch noch weit nach der Behandlung wirkt. Also eine Heilung der Problematik
möglich war.
Eine Methode, mit der die Aktivität des Gehirns in diesen Studien näher untersucht wurde, ist das EEG (Elektroenzephalogramm). Über Elektroden, die auf der Kopfhaut platziert werden, kann die elektrische Aktivität verschiedener Gehirnregionen gemessen werden. Diese Aktivität stellt sich in Form von Wellen und Amplituden einer bestimmter Frequenzen dar. Sie kennen wahrscheinlich den so genannten Alpha-Zustand. Von diesen Wellen produziert unser Gehirn immer mehr, wenn wir die Augen geschlossen halten, oder einfach sehr entspannt sind, wie z. B. beim Autogenen Training. Darüber hinaus kennen wir aber auch noch andere Frequenzen, wie z. B. die Delta-, Theta-, Beta-, oder Gammafrequenz. Was ist Neurofeedback (EEG-Biofeedback)? Beim Biofeedback werden Körperfunktionen, die normalerweise unbemerkt ablaufen, wie z. B. Muskelspannung oder Herzfrequenz, mit geeigneten Geräten gemessen und akustisch oder visuell rückgemeldet. Diese Rückmeldung (engl.: feedback) kann unmittelbar und fortlaufend erfolgen. Dadurch besteht die Möglichkeit, diese Körperfunktionen durch die Sinnesorgane wahrzunehmen und zu beeinflussen. In Verbindung mit einem Computer ist es möglich ein Biofeedbacktraining in Spielform zu gestalten, so dass diese Therapiemethode sich besonders auch für Kinder und Jugendliche eignet. Wird ein Parameter rückgemeldet, der die hirnelektrische Aktivität (EEG) beschreibt, so wird diese Form von Biofeedback als EEG-Biofeedback oder auch Neurofeedback bezeichnet. Bei einem Neurofeedback-Training können Kinder mit AD(H)S nun üben, bestimmte Gehirnaktivitäten, bei denen sie Auffälligkeiten zeigen, gezielt zu verändern. Es werden beim Training Strategien eingeübt, die dem Kind im Alltag je nach Anforderung helfen sollen, sich besser zu konzentrieren bzw. "cool" zu reagieren: Beim so genannten "Frequenzband-Training" steht im Vordergrund einen aufmerksamen aber dennoch entspannten Zustand zu erlernen, der über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden kann. Durch das häufige Trainieren soll sich dieser Zustand gewissermaßen "einprägen" und auch im Alltag "abrufbar" sein.In mehreren Studien wurde gezeigt, dass Kinder mit AD(H)S in ganz erheblichem Maße von einem Neurofeedback-Training profitieren können. Die Kinder bilden dabei ein Verständnis dafür aus, Aufmerksamkeit zu "besitzen" und in bestimmten Situationen zielgerichtet einsetzen zu können. Zunächst werden dem Kind Elektroden auf den Kopf gesetzt, über die die hirnelektrische Aktivität (EEG) registriert wird. Das heißt, die Elektroden messen nur die ganz schwachen Ströme (millionstel Volt!), welche unser Gehirn ständig verlassen. Es wird kein Strom an das Gehirn übertragen. Zunächst wird die durchschnittliche Grundaktivität von zwei verschiedenen Frequenzbändern im Gesamtspektrum des EEG ermittelt. Aufgabe des Trainierenden ist es nun, die Amplitude beider Bänder gleichzeitig in die vorgegebene Richtung zu verändern (Erhöhung von Beta und Reduzierung von Theta),was einem gelassen fokussierten Aufmerksamkeitszustand entspricht. Erreichen beide Bänder das festgesetzte Kriterium (Beta höher und Theta niedriger als die ermittelte Grundaktivität), erfolgt die Rückmeldung simultan über den Bildschirm, indem z. B. "Pacman" oder eine andere Animation (integriertes Computerspiel) aktiv wird. Die Kinder werden in Form von Hausaufgaben angehalten, ihre Strategien zur Regulierung ihrer hirnelektrischen Aktivität zu Hause zu üben und gezielt Situationen zu finden, die sie durch Anwenden der Strategien erfolgreicher bewältigen können (z. B. Hausaufgaben). Für den Transfer in den Alltag erhalten die Kinder Folien mit Abbildungen einzelner Feedback-Animationen, die das Abrufen der erworbenen Strategien erleichtern sollen und auch als "Erinnerungshilfe" für zu Hause oder die Schule dienen. In welchen Bereichen kann Neurofeedback noch eingesetzt werden?
Welche Nebenwirkungen können auftreten? Es sind keine Nebenwirkungen im Bereich des Neurofeedbacks bekannt. |